Mit ihrem dritten Full-Length-Album setzen RT-Projekt konsequent den nächsten Schritt: Mit ausgefeiltem Pop-Rock, intelligenten Song-Strukturen und modern-zeitlosen Arrangements liefert das Duo 16 neue Tracks, die ins Ohr gehen. Die bewährten Trademarks – unter anderem mit filigraner Gitarrenarbeit von Oliver Zangl und abwechselnden Gesangsstimmen – wurden noch etwas erweitert:
Neben Stephanie Bauer, Dani Fuchs, Oliver Kobl und Matthias „Wauxl“ Pfaller sind auf „Psychotropic“ auch Stefanie Baringer,
Michael Lex und Markus Engelstädter am Mikro zu hören. Beeindruckend ist die Leichtigkeit, mit der es Mastermind Rainer
Thanner gelingt, jedem Song seine Handschrift und zugleich eine eigene Note zu geben. Eine Stärke liegt im vielschichtigen Aufbau der Songs: Oft sind es mehrere Klangfarben, die sich umspielen – Thanner nutzt die Bandbreite von Piano über Streicher bis zu reinen Synthesizer-Sounds, ohne dabei synthetisch zu klingen. So spannt sich der musikalische Bogen von der Ballade über fröhliche Midtempo-Nummern bis zum stampfenden Hardrock. Auch inhaltlich zeigt sich der „Cycle of twentytwo“ auf der Höhe der Zeit. In den Texten (Frank de Blijen) geht es um Träume (Dreams, Nightmare) oder die Machenschaften in Politik und Wirtschaft (Puppeteers), um unsere Umwelt (Our world), den Frühling (Springtime) oder um das ewig junge Thema Liebe in seinen vielen Facetten, vom Love-Song (Three wishes, decide on love) bis zu
„toxic love“ – und mit „Longing for a long drink“ ist auch ein Lied zum Feiern dabei. Der Titeltrack „Psychotropic“ ist eine Hymne auf die Musik und ihre Wirkung auf unsere Seele: Die Droge, die uns als Psychopharmakum schnell und ohne Nebenwirkung das Leben leichter macht.
Mit dem aufwändig gestalteten Cover, bei dem jeder Song von der Künstlerin Margot Grabinger auch malerisch interpretiert zu sehen ist, hat RT-Projekt auch dem physischen Tonträger einen außergewöhnlichen Rahmen gegeben.
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Die Songs in der Einzelkritik
Cycle of twentytwo
Der ideale Opener für den Cycle of twentytwo: Ein Instrumental, das
die musikalische Breite von RT-Projekt zeigt. Gitarre und
Synthesizer spielen miteinander und zitieren wie im Dialog die
1980er Jahre, als der Hardrock groß wurde und Tasteninstumente
im Metal Einzug fanden. Eine Komposition voller Schwung und
Dynamik – rockig, treibend. Ein Beispiel, wie gut Musik auch ohne
Worte Geschichten erzählen kann.
Not everything was bad (Vocals Markus Engelstädter)
Leider erinnern wir uns besser an schlechte Erlebnisse als an die
Tage, an denen wir glücklich waren. Dieser Song will uns daran
erinnern, dass wir es oft besser hatten (als wir erwartet haben).
Macht euch weniger Sorgen und bleibt optimistisch – es wird schon
gut werden! Dazu passt der rockige, an Queen angelehnte Sound
im Up-Tempo.
Crowtune (Vocals Stephanie Bauer, Oli Kobl)
Eine Märchen, das traurig beginnt und mit der Liebe endet. Der
nach menschlichen Maßstäben hässliche Gnom Crowtune trifft eine
Fee. Sie bringt ihn in sein Land zurück und dort kommt er mit der
Gnomin Loomish zusammen – und wird glücklich. Der Erzähler
beginnt mit Sprechgesang, weibliche Vocals kommen hinzu. Der
Song steigert sich kontinuierlich und findet sein Finale mit dem
Saint-Exupery-Zitat, dass das Wesentliche nur für das Herzen
sichtbar ist.
Psychotropic (without side effects) (Vocals Oli Kobl)
Eine Hymne auf die Musik – der Droge, die uns ohne Nebenwirkung
glücklich macht.
Finally! (let’s rock) (Vocals Stephanie Bauer, Matthias „Wauxl“ Pfaller)
Eine zweite Hymne auf die Musik, hier im Duett: „Sie“ kommt
erschöpft von der Arbeit heim, doch „Er“ will mit ihr feiern – und „Er“
überzeugt „Sie“ mit Musik (ja – das hört man auch!)
Springtime (Vocals Stefanie Baringer)
Der Frühling in Tönen. Langsam erwacht die Welt, das Grün
übernimmt vom grau-weiß des Winters, das Leben zeigt sich wieder
mit seiner Kraft. Zarte Piano-Klänge führen durch die Zeitreise, die
Orgel setzt knospende Akzente, voller Zuversicht und Lust aufs
frische Leben. Ein Song speziell für März bis Mai.
Toxic Love (Vocals Stephanie Bauer, Oli Kobl)
Eine harte Gitarre trifft auf harte Rhythmen, Aufbau (und Inhalt)
erinnern an Rammstein. Doch mit dem weichen Gesang kommt ein
bewusst gesetzter Kontrapunkt hinzu, durch den eine ganz eigene
Spannung entsteht. Das Duett singt über eine toxische Beziehung,
in der „Er“ rüde und rücksichtslos ist und „Sie“ sich trotzdem blind
an die Liebe klammert.
Puppeteers (Vocals Oli Kobl)
Ein Pop-Song, gefällig und eigenständig. Auf dem geschickt
gewebten Synthesizer-Klangteppich mit vielen Farben und einem
stabilen Rhythmusboden zeigen sich immer wieder verspielte
Zwischentöne, Gitarren-Soli setzen zusätzliche Akzente. Worum
geht’s? Um die Strippenzieher in Wirtschaft und Politik, die im
Hintergrund die Fäden ziehen.
Make it or break it (Vocals Stefanie Baringer, Matthias „Wauxl“ Pfaller)
Machen oder lassen? Manchmal braucht jeder einenen kleinen
Anstoß, um etwas zu versuchen – und so ist dieses Thema als
Duett angelegt. Während „Er“ noch unschlüssig und voller Zweifel
zögert, hat „Sie“ längst mutig angefangen. Pop-Rock, bei dem sich
die unterschiedlichen Ebenen – Zweifel, Entscheidung, Optimismus
und Zuversicht – mit ebenso vielen unterschiedlichen Synthi-
Sounds harmonisch vereinen.
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Longing for a long drink (Vocals Stefanie Baringer)
Barmusik at it’s best, der Swing für die Wochenend-Nacht, wenn die
Stimmung auf ihren Höhepunkt zusteuert. Pure Lebensfreude ohne
Gedanken an den Morgen. Zu diesem Sound-Cocktail schmeckt
sogar die Zigarre.
Nightmare (Vocals Oliver Kobl)
Ein Alptraum – klingt wie? Irgendwie gut! Ein nervöses Klanggerüst
und ein Blick in die Abgründe der nächtlichen Ängste.
Dreams (Vocals Stephanie Bauer)
Völlig unklar ist, was hier passiert. Oder anders gesagt: Träume – in
jede oder ohne Richtung. Vieldeutig, verschwommen. Real?
Unwirklich? Interpretationsspielraum unbegrenzt … musikalisch
wähnt man sich mal in der Halle des Bergkönigs, dann hört man
eine kleine Verbeugung vor Neil Young. Träumt Euren Traum!
Three Wishes (Vocals Stefanie Baringer)
Ein Lovesong, der ohne “I love you” auskommt und doch genau das
sagt: Wer drei Wünsche frei hätte, denkt schnell an Geld und Gold,
Ruhm und Erfolg. Doch die drei Wünsche hier heißen: Dein Herz,
Deine Seele, Deine Liebe! Und das Schöne: Das gehört ihr bereits!
Eine Ballade also, frei von Kitsch arrangiert mit einer ebenso zarten
wie intensiven Stimme.
He pays (Vocals Stephanie Bauer)
Was ist denn das? Ein Vamp, der den Mann um den Finger wickelt,
ausnutzt und der merkt nichts? Warum sollte es das heute nicht
mehr geben?
Decide on love (Vocals Dany Fuchs)
Kämpfen? Fliehen? Nein – vergib, verzeih und setz auf die Liebe!
Eine flotte Pop-Nummer, rhythmisch, fröhlich und genauso
optimistisch wie die Botschaft.
Our World (Vocals Stephanie Bauer)
Zum Abschluss ein Track mit Botschaft: Lasst uns gemeinsam mehr
für unsere (Um)Welt tun, es gibt keinen Plan(et) B. Wir haben den
sauren Regen wieder abgeschafft, warum soll uns der nächste
Schritt nicht auch gelingen?
Bei diesem Duett sprechen die Generationen miteinander, die
Boomer und die Gen Y – ohne sich zu verurteilen, sondern um
gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ein Song, der mehrfach
gehört werden muss, um alle Facetten zu entdecken, die in ihm
stecken: Die beiden Stimmen führen durch den Song, geben ihre
Führung aber immer wieder ab an Piano, Synthesizer oder Gitarre,
sicher aufgebaut auf dem differenzierten Rhythmus-Fundament.
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Three Wishes – radio edit (Vocals Stefanie Baringer)
Der „Lovesong ohne I love you” – in der Radio-Version mit
spanischer Gitarre aufgenommen, mit einer Kante
südeuropäischem Feuer. So bekommt diese intensive, gefühlvolle
Ballade eine zusätzliche Klang-Facette.